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Für kritische Theorie ist jede Gesellschaft stets im Übergang. Den Menschen als Totalität finden wir in ihr in seiner permanenten Negation. Die Pädagogik und damit die sich ihrer bedienende Literaturpädagogik haben im Kern jedoch ein verlogenes Telos. Ihre rückkoppelnde Bestimmung des Menschen aus dem Menschen als Totalität ist Selbstzweck, der aus einer Sackgasse herausführen soll. Tatsächlich kommt man in einen Kreisverkehr. Einzig ein Denken, »dem nicht vorgeschrieben wird, was herauskommen soll« (Adorno), verspricht hier einen Ausgang. Die auf die Technik bezogenen Emanzipationshoffnungen sind zunichte. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt bringt uns keine erhellenden Letztbegründungen, nichts Normatives für unser Tun außer Sachzwänge. Fortschrittshoffnung ist nurmehr Wachstumshoffnung. Über allem schwebt ein Klima der Angst. Der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, des Partners, der Freunde, vor der Zerstörung der Umwelt durch Technik, vor den Auswirkungen des Klimawandels etc. Die freudsche Psychoanalyse beschriebe diese hoffnungslose Hoffnung als kollektive Psychose. Die Menschen flüchten in das Hier und Jetzt und stellen sich damit erst recht dem Diktat des durch die Technokratie an sie gerichteten Erwartungsdrucks - oder sie verfallen dem Zynismus oder in tiefe Depression. Die gesellschaftlichen Barbarisierungsprozesse haben eine erneute Hinwendung der JugendbuchautorInnen zu einer internationalen Perspektive zur Folge. Dies jedoch nicht mit politischer Attitüde, wie in den 1970er Jahren. Die Aufbruchsstimmung, der in dieser Zeit jenseits aller ideologischen Differenzen und Dogmatiken vorhandene Glaube an eine »bessere Zukunft« wird in den 1990er Jahren und erst recht am Beginn des 21. Jahrhunderts vom Gefühl des Ausgesetztseins, ja oft der schieren Hoffnungslosigkeit abgelöst. | ZURÜCK |
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